Leseprobe CyberWorld 2.0 - House of Nightmares

Cover CyberWorld 2.0 - House of NightmaresKapitel 1

»Mensch, Leute, seid ihr wahnsinnig? Die Teile sind doch viel zu teuer!« Zack zog die schwarzen Sportschuhe aus dem Karton. »Danke, Mann!« Begeistert schloss er Jemma in die Arme.

»Hey, lass ein bisschen was von deiner Dankbarkeit auch für die anderen übrig! Ich hab dir die Treter schließlich nicht allein gekauft. Von mir war nur die Idee, das Geld haben wir zusammengeschmissen.«

Zack sah in die Runde.

»Uns brauchst du nicht zu erdrücken«, grinste Sam und legte seine Arme um Meg. »Ein Danke reicht völlig.«

Zack lachte. »Okay: Danke!«

»Sehr gern geschehen.«

»Mich darfst du ruhig drücken, so fest wie du willst!« Charlie wartete gar nicht erst auf Zack, sondern schlang ihre Arme einfach selbst so ungestüm um seinen Hals, dass ihre Köpfe zusammenstießen. »Happy happy Birthday!«

»Danke, Süße.«

Als Charlie ihn wieder freigab, nickte Zack zu Will und Ned, deren Namen ebenfalls auf der Karte am Geschenkkarton standen. »Euch auch. Ich weiß, dass es nicht gerade billig war, diese Schuhe zu kaufen. Danke! Ich freue mich wirklich.«

»Keine Ursache«, winkte Will ab und Ned nickte beipflichtend.

»Die sind echt cool! Zieh sie mal an«, schlug Gordon vor und wies auf den Basketballkorb, der neben der Terrasse der Bennetts an der Hauswand angebracht war. »Du könntest sie gleich ausprobieren. Ich hätte Lust auf ein kleines Spielchen.«

»Klar, warum nicht?«, meinte Zack sofort und auch Tylor und Steven waren begeistert.

»Wir sind dabei!«

»Spielen wir drei gegen drei? Oder vier gegen vier?« Fragend sah Gordon zu Will, Ned und Sam. »Wollt ihr mitspielen?«

Jamie griff seine Krücken und stemmte sich von der Gartenbank. Beim Thema Mannschaftsaufstellung fühlte er sich nicht angesprochen, also konnte er sich genauso gut drinnen noch eine Cola organisieren. Langsam ging er über die Terrasse ins Wohnzimmer, wo auf dem Esstisch die Reste ihres Pizzabuffets standen, das sie am frühen Abend bestellt hatten. Max, ihr Hightechbutler, hatte die übrig gebliebenen Stücke sorgfältig auf Warmhalteplatten drapiert, damit niemand kalte Pizza essen musste, falls noch jemand Hunger bekam.

Jamie nahm eine der bereitgestellten Colaflaschen aus der Kühlbox und drehte sie mit etwas Mühe auf. Der lange Tag steckte ihm in den Knochen und allmählich verließen ihn die Kräfte. Seine Hände zitterten und er musste die Flasche mit beiden Händen fassen, um sich ein Glas einzugießen, doch obwohl er vorsichtig war, ging ein dicker Schwall der braunen Flüssigkeit daneben.

»Mist.« Genervt stellte er die Flasche ab und angelte nach ein paar Papierservietten.

»Mann, Bennett, du bist so unglaublich erbärmlich.«

Die verächtliche Stimme in seinem Rücken ließ Jamie innehalten. Er schloss die Augen, atmete tief durch und wischte dann einfach weiter. Nur diesen Abend, nur noch ein paar Stunden musste er diesen Scheißkerl ertragen. Danach hatte er mit etwas Glück erst mal wieder Ruhe. Er spürte den Blick, der sich in seinen Rücken bohrte und schadenfroh dabei zusah, wie er den klebrigen See aufwischte, bevor er auf den Boden tropfen konnte.

Geh einfach, du Arschloch! Spiel Basketball und lass mich in Ruhe!

Doch diesen Gefallen tat Russell Grand ihm nicht. Im Gegenteil. Der breitschultrige Kerl baute sich provozierend neben ihm auf und deutete mit einem höhnischen Kopfnicken auf die verschüttete Cola.

»Kriegst du's mit deinen krüppeligen Händen nicht mal hin, 'ne Cola einzuschütten, ohne dabei 'ne Riesensauerei zu veranstalten? Wie jämmerlich bist du eigentlich?«

Jamie presste die Lippen fest aufeinander und merkte, wie seine Hände erneut anfingen zu zittern. Doch diesmal war es eindeutig aus Wut. Nur mit Mühe zwang er sich, weiter ruhig zu bleiben.

Lass dich nicht auf sein Niveau herab! Das hier ist Zacks Tag, versau ihm den nicht durch einen dämlichen Streit. Das ist genau das, was dieses Arschloch will!

»Ich hoffe, dir ist klar, dass Zack nur so nett zu dir ist, weil er bei euch wohnen kann, wenn seine Eltern unterwegs sind. Er hat einfach keine Lust, auf irgendein beknacktes Internat zu gehen. Nur deshalb und weil er aus irgendeinem mir völlig schleierhaften Grund Mitleid mit dir zu haben scheint, gibt er sich mit dir ab. Aber nur noch ein Jahr, dann ist er volljährig. Ein Jahr. Dann braucht er dich und deine kuschelige kleine Familie nicht mehr und er kann machen, was er will. Was glaubst du wohl, wie schnell er einen Krüppel wie dich dann fallen lässt und weg ist?«