Leseprobe The Secrets of Yonderwood

 

Kapitel 1

Yonderwood ¾ Meilen.

Zack folgte dem windschiefen Hinweisschild durch den Winterwald und lenkte seinen Wagen hinter Wills von der asphaltierten Straße auf eine schmale Schotterpiste, die ins Nirgendwo zu führen schien. Die kahlen Bäume rückten noch enger zusammen, ganz so als wollten sie mit ihren knorrigen Ästen nach den Eindringlingen greifen, die sich einen Weg durch ihre Mitte bahnten. Es war fast halb zehn morgens, doch die graue Wolkendecke am Himmel ließ es kaum hell werden.

Auf dem Beifahrersitz setzte Jamie sich auf und schaute durch die Windschutzscheibe auf die wenig heimelige Umgebung. »Die nehmen es mit dem Einstimmen auf die richtige Atmosphäre ziemlich ernst, was? Wir sind noch gar nicht richtig da und es sieht jetzt schon ganz schön gruselig aus.«

»Stimmt. Aber für das Wetter können sie nichts.« Vorsichtig wich Zack einer vereisten Pfütze aus und wies auf die imposante weiße Kuppel, die durch das kahle Blätterdach vor ihnen über hundert Meter hoch in den Himmel ragte. »Noch nicht.«

Voller Vorfreude rieb Jamie seine kalten Hände. »Ich bin echt gespannt, ob die da drin wirklich ein komplettes Dorf nachgebaut haben, in dem sie alles kontrollieren können.«

»Einiges sicherlich, aber bestimmt nicht alles. Und die wirklich spektakulären Dinge werden sicher nur in der CyberWorld passieren.«

»Ich bin trotzdem gespannt, wie sie die ganzen Übergänge hinkriegen wollen. Und ob auch wirklich schon alles funktioniert.«

»Ich denke schon. Immerhin wollen sie nächste Woche eröffnen. Unser Durchlauf ist bestimmt die letzte Generalprobe, da sollte es keine gravierenden Probleme mehr geben.«

Die Straße machte einen Knick und durch die Bäume war nun ein heruntergekommenes rotes Backsteingebäude zu erkennen. Yonderwood Railway Station prangte auf einem verwitterten Schild über dem Eingang und auf dem Parkplatz vor dem Gebäude standen bereits etliche Fahrzeuge. Zack folgte Will zu zwei leeren Stellplätzen und parkte neben ihm.

»Da wären wir.« Er blickte hinüber zu den anderen Fahrzeugen. »Und offensichtlich sind wir nicht die Ersten.«

Neben ihnen stiegen Will, Ned, Jemma und Charlie aus dem Wagen.

Jamie löste seinen Sicherheitsgurt und kramte eine hellblaue Beanie aus der Tasche seines Anoraks. »Bis zur offiziellen Einführung ist auch nur noch eine halbe Stunde Zeit.« Er zog die Mütze über, schloss umständlich den Reißverschluss seiner Jacke und stellte den Kragen hoch.

Zack verfolgte die gesamte Aktion mit hochgezogener Augenbraue. »Sagst du mir, was du vorhast? Eine private Polarexpedition, von der ich noch nichts weiß?«

»Es ist kalt! Die Pfütze gerade war gefroren und draußen sind Minusgrade.« Jamie deutete auf die Temperaturanzeige am Armaturenbrett.

Zack lachte und zog ihm die Mütze über die Augen. »Ja. Minus zwei, du Weichei! Und es sind keine fünfzig Meter bis zum Haus. Was machst du denn, wenn im Spiel metertief Schnee liegt und minus zwanzig Grad herrschen?«

Grummelnd schob Jamie die Mütze zurück und revanchierte sich mit einem Knuff in Zacks Rippen. »Tut es nicht. Wäre viel zu teuer, die Kuppel so extrem runterzukühlen, geschweige denn den ganzen Innenraum mit Kunstschnee auszustatten. Außerdem stand in der Spielbeschreibung, dass die Geschichte im Herbst spielt.«

»Na, dann hast du ja noch mal Glück gehabt.« Zack stieg schnell aus, bevor Jamie ihm einen weiteren Knuff verpassen konnte.

Die Winterluft war angenehm frisch und roch nach Wald und Erde und der gefrorene Boden knirschte unter ihren Füßen.

»Na, was denkt ihr?« Charlie machte eine ausschweifende Armbewegung, die die komplette Umgebung einschloss. »Die Szenerie kann man kaum besser hinkriegen, oder? Wir sind noch gar nicht im Spiel und ich hab jetzt schon Gänsehaut.« Sie schüttelte sich, grinste dann aber, als ihr Blick an Jamie hängen blieb. »Hey, knuffige Mütze! Ist die neu? Sieht echt süß aus.«

»Süß?« Jamie runzelte die Stirn.

»Ja. Süß. Steht dir.« Charlie nahm die Reisetasche entgegen, die Ned ihr aus dem Kofferraum reichte.

Zweifelnd trat Jamie um den Wagen herum zu Zack und deutete auf seine Beanie. »Süß?«

Zack grinste und zupfte an der Mütze. »Hey, ich hab mit süß kein Problem. Ganz im Gegenteil.« Er gab ihm einen Kuss und holte dann ihre Reisetasche und Jamies Krücken von der Rückbank. »Mit oder ohne?«