Leseprobe Mind Ripper Seite 11

 

»Hör bloß auf … Du hast ja keine Ahnung! Meine Mutter hat heute mal wieder einen ihrer experimentellen Kochtage«, mampfte sie mit einem theatralischen Augenaufschlag zwischen zwei Bissen hervor. »Indisch! Zumindest laut ihr. Wage ich aber zu bezweifeln. Wenn das wirklich indisch war, können es die Inder nur äußerst selten kochen, denn sonst hätte das Land definitiv keine Probleme mit Überbevölkerung. An dem Zeug krepiert selbst die heiligste Kuh, ich schwör's euch!« Sie nahm sich ein weiteres Sandwich, nachdem das erste trotz Redeschwall in Rekordzeit verschwunden war. »Absolut widerlich! Weiß der Geier, was Mum da zusammengekippt hat. Es war pissgelb, hatte die Konsistenz von Erbrochenem und unsere Wohnung stank wie eine Mischung aus Kuhstall und Teergrube. Ich hatte von den ätzenden Dämpfen Tränen in den Augen und unsere Nachbarn werden uns vermutlich wegen Körperverletzung verklagen.«

Angewidert verzog Zack das Gesicht und legte das Sandwich zurück, in das er gerade hatte beißen wollen. »Danke für diese äußerst plastische Beschreibung! Wir essen hier gerade!«

Sie grinste. »Na, dann sei froh, dass es nicht das Zeug von meiner Mutter ist!«

Er rollte die Augen und sah zu Jamie. »Lass uns hoch in dein Zimmer gehen, bevor Charlie hier noch mehr unappetitliche Details preisgibt.«

»Soll ich euch behilflich sein?« Max ließ sofort das Geschirr stehen, das er in die Spülmaschine hatte einräumen wollen, und wandte sich zu Zack und Jamie um.

»Danke, Max. Aber das schaffen wir schon.«

Jamie schlang seine Arme um Zacks Schultern. Der nahm ihn auf den Rücken und sie verschwanden in Richtung Treppe.

Charlie sah ihnen nach. »Schon wieder kein guter Tag?«

Jemma stellte ihr Saftglas ab und schüttelte niedergeschlagen den Kopf. »Nein.«

Tröstend legte Charlie einen Arm um sie. »Hey, das wird schon wieder. Davon lässt Jamie sich doch nie lange runterziehen.« Sie sprang von ihrem Hocker und zog Jemma mit sich. »Komm, jetzt hübschen wir uns erst mal auf. Und dann werden wir den Club heute Abend rocken!«

 

 

In Jemmas Zimmer kippte Charlie den Inhalt ihrer Tasche aufs Bett und begann in den Kleidungsstücken herumzuwühlen, während Jemma den Fernseher einschaltete und einen Musikkanal anwählte.

»Hast du schon von Melody Swans anderen Umständen gehört?« Sie trat an ihren Kleiderschrank und inspizierte unentschlossen seinen Inhalt.

»Ja, und da ich nicht an das Wunder einer unbefleckten Empfängnis glaube, bin ich gespannt, wie sie sich aus der Nummer rausreden will, nachdem sie so groß mit ihren Keuschheitsabsichten rumgetönt hat. Ich hab das eh immer nur für einen riesigen PR-Gag gehalten. Wenn Intelligenz, Aussehen und Können nicht ausreichen, muss man sich eben anders ins Rampenlicht drängen. Aber wenn man dann zu blöd zum Verhüten ist, hat man es echt nicht anders verdient.« Sie grinste schadenfroh. »Wenigstens besteht jetzt die Hoffnung, dass sie uns eine Zeit lang nicht mehr mit ihrem weichgespülten Kaugummipop auf die Nerven geht.«

Sie zog einen knallroten Minirock und eine kunstvoll zerschnittene schwarze Jeans aus dem Kleiderhaufen. »Okay, Grundsatzfrage: eher flippiger Punk?« Sie hielt die Jeans hoch. »Oder sexy Rockröhre?« Der rote Mini.

Jemma zeigte auf den Rock. »Der fällt mehr auf.«

»Gutes Argument!« Die Jeans flog zurück auf den Haufen.

»Ich hoffe nur, du hast was zum Drunterziehen? Das Röckchen ist nämlich reichlich kurz und flattrig.«

Charlie grinste kess und angelte rote Hotpants aus dem Wäschechaos. »Keine Sorge, die hier gehört dazu.«

Die Türglocke bimmelte, doch Jemma wusste, dass Max sich darum kümmern würde, daher zog auch sie eine schwarze, allerdings intakte Jeans und einen dunkelroten, nicht ganz so knappen Rock mit Schottenmuster aus dem Schrank und hielt beides hoch.

»Hose oder Rock?«

»Rock, auf jeden Fall!« Charlie trat zu ihr und sah sich das gute Stück an. »Auch wenn der hier ein bisschen so aussieht wie unsere Schuluniform.«

»Unsere Schulröcke haben ein blaues Schottenmuster und gehen bis zu den Knien!«, sagte Jemma empört. »Der hier ist nur halb so lang!«

»Hey! Kein Mensch sagt, dass Uniformen nicht sexy sein können.« Charlie hielt ihr den Rock an und nickte wohlwollend. »Zieh ihn mal an. Dazu schwarze Strumpfhosen, deine schwarzen Stiefel und ein schwarzes Oberteil. Das kommt bei deinen hellen Haaren mit Sicherheit supergut. Aber nimm ein enges! Nicht eins dieser Schlabberteile, die du so gerne trägst. Hast du irgendwas Knappes, Bauchfreies? Du kannst das immerhin locker tragen.«

Jemma verschwand in den Tiefen ihres Kleiderschranks und wühlte durch ihre Klamotten.

Es klopfte.

»Komm rein!«