Leseprobe Mind Ripper Seite 2

 

»Angriff!«

Mit erhobenem Schwert stürmte Zack los. Ohne zu zögern folgten Jamie und Jemma. Helle Lichtblitze flogen an ihnen vorbei und trafen den bewegungsunfähigen Drachen in die Brust. Auch wenn Sam für mächtigere Magie warten musste, bis seine Energie wieder aufgeladen war, konnte er ihren Gegner mit ein paar kleineren Zaubern zumindest schwächen.

Zack erreichte den Drachen als Erster und hieb sein Schwert in den muskulösen Hals. Die Bestie brüllte erneut, allerdings eindeutig eher wütend als schmerzerfüllt, denn die Schwertklinge hinterließ in der harten Schuppenhaut nicht mehr als einen kleinen Kratzer. Dafür schien Sams Betäubungszauber schon wieder nachzulassen. Die Vorderklaue zuckte gefährlich, als Jamie mit seinem Schwert dagegen schlug. Behände tauchte er weg und musste gleich darauf einem Flügelschlag ausweichen, denn offensichtlich konnte das Biest auch seine Schwingen wieder bewegen. Der Drache stieß einen triumphierenden Schrei aus und blähte die Nüstern.

»Achtung, er will Feuer speien!«, rief Jemma. »Ich lenke es auf mich!« Rasch entfernte sie sich einige Schritte und schwenkte ihre Waffe. »Hey, hier bin ich! Hier drüben!«

Es funktionierte. Die glühenden Augen fixierten sich auf sie und der Drachenkopf schnellte hervor.

»Protego!«

Gerade rechtzeitig bevor die sengenden Flammen auf sie trafen, spannte sich ihr Schutzschild wie eine schimmernde Kugel um sie, und obwohl Jemma wusste, dass das Feuer ihr nichts anhaben konnte, solange sie so geschützt war, wandte sie sich reflexartig von den Flammen ab und kauerte sich so klein wie möglich zusammen. Das Feuer brauste um sie herum und sie hoffte, dass der Flammenatem des Drachen nicht mehr als vierzig Sekunden andauerte, denn länger hielt ihr Schutzschild nicht. Als Paladin waren ihre magischen Kräfte längst nicht so stark wie die von Sam. Sie besaß keine Angriffszauber, dafür konnte sie sich ganz gut schützen und kannte ein paar sehr nützliche Heilzauber, aber das war auch schon alles.

Plötzlich ließ der Flammensturm um sie herum nach, es krachte und der Boden unter ihren Füßen bebte. Erschrocken fuhr sie herum. Sam hatte das Ungeheuer ein weiteres Mal gelähmt und diesmal war die Bestie nicht in der Luft geblieben, sondern auf den Felsboden hinuntergestürzt.

Jemma packte ihr Schwert und rannte zurück zu dem Biest. Ihr Schutzschild flackerte kurz auf und erlosch. Sam attackierte den Drachen erneut mit seinen Lichtblitzen, während Jamie neben Zack hockte und seine Hände über eine klaffende Wunde an dessen Schulter gleiten ließ.

»Braucht ihr Hilfe?« Jemma musterte Zack und war einmal mehr dankbar dafür, dass keiner von ihnen Schmerz empfinden konnte. Die Wunde sah echt übel aus, auch wenn sie sich unter Jamies Heilzauber langsam wieder schloss. Wie sie selbst war auch ihr Zwilling ein Paladin.

»Nee, geht schon«, brummte Zack, während Jamie leise »Sanare!« murmelte und mit seinen Händen weiter über die Schulter seines Freunds fuhr. »Das Mistvieh hat mich mit seiner Klaue erwischt und ich konnte den Arm nicht mehr bewegen.«

Jemma sah zu der breiten Armschelle, die jeder von ihnen am rechten Handgelenk trug. Zacks leuchtete gelb und verfärbte sich langsam grün. Seine Lebensenergie war also in Ordnung. Gefahr bestand erst, wenn sie rot wurde.

Der Drache stieß ein zorniges Fauchen aus. Alarmiert fuhr Jemma herum, doch noch wirkte der Zauber und das Untier konnte nicht viel mehr als zucken. Sam stand in einiger Entfernung und ließ seine Lichtblitze auf den Drachen niedergehen, während sein Zauberstab sich erneut mit magischer Energie auflud.

Jemma warf einen Blick auf die Fußschellen des Drachen. Sie waren hellgelb, also hatten sie dem Biest zumindest schon ein bisschen Schaden zugefügt. Allerdings waren sie noch weit entfernt davon, es zur Strecke zu bringen. Sie holte aus und schlug ihr Schwert in eine der Vorderklauen. Wütend fauchte der Drache und zuckte so gut der Lähmungszauber es ihm erlaubte von ihr fort. Ein dünner blutiger Schnitt blieb zurück, als Jemma aus der Reichweite der Klaue sprang.

»Sam, du musst das Biest verwundbar machen! Unsere Schwerter haben sonst gegen seine Panzerhaut keine Chance!«

»Den Zauber hab ich schon längst gesprochen! Hat aber wohl noch nicht gereicht.« Er nickte in Zacks Richtung. »Aber als ich ihn ein zweites Mal anwenden wollte, musste ich den Drachen erst mal wieder betäuben, sonst hätte unser tapferer Krieger ins Gras gebissen.« Der magische Kristall am Ende seines Zauberstabs glühte auf und signalisierte, dass er zu einem weiteren Zauber bereit war.

»Forabilis!«

Ein hellroter Lichtstrahl schoss aus dem Stein und traf den Drachen. Der antwortete mit einem hasserfüllten Brüllen und Jemma sah, dass das Gelb seiner Fußschellen dunkler wurde.

»Versucht es jetzt!«, rief Sam. »Vielleicht können eure Waffen jetzt mehr ausrichten.«