Leseprobe Mind Ripper Seite 4

 

»Ich geh allein.« Jemma sprang bereits auf, während sie mit einem letzten Zauber Zacks Energie noch einmal ein wenig auflud. Zack hatte recht, irgendwer musste den Drachen töten, wenn sie noch den Hauch einer Chance haben wollten, das hier zu überleben. Und so wie es aussah, würde es an ihr hängen bleiben. Sie packte ihr Schwert und sprintete los. Ihr Schutzschild begann zu flimmern und warnte sie, dass es nicht mehr lange halten würde.

Egal! Jetzt nicht daran denken!

Sie musste weiter. Obwohl sie die Hitze der Flammen eigentlich nicht spüren konnte, war ihr heiß, als sie sich durch die Feuerwalze kämpfte, und sie musste erschrocken ausweichen, als eine der Vorderklauen urplötzlich direkt vor ihr auftauchte. Rasch schlug sie einen Haken, ließ das Feuer endlich hinter sich und fand sich unter dem Bauch des Untiers wieder. Erleichtert sah sie, dass die Drachenhaut hier keine dicken Schuppen hatte, sondern nur ledrig aussah. Ohne zu zögern riss sie ihr Schwert hoch und stach mit aller Kraft dorthin, wo sie das Herz vermutete. Der Drache brüllte auf und diesmal war es eindeutig vor Schmerz.

Geschieht dir recht! Hör endlich auf, dein verdammtes Feuer zu speien!

Verbissen zog Jemma ihr Schwert aus dem Echsenkörper und dunkles Blut lief ihr über die Hände, als sie ein weiteres Mal zustach. Wieder brüllte der Drache und wieder zog sie ihr Schwert zurück und stieß noch einmal zu. Ihr Schutzschild flackerte und löste sich auf, doch unter dem Bauch war sie außer Reichweite des Feuers. Aus den Augenwinkeln sah sie ein helles Blitzen und etwas Weißes schlug neben dem Drachen auf dem Boden auf.

Eiskristalle!

Am liebsten hätte sie gejubelt, als sie Sams Frostzauber erkannte. Die splitternden Eisblitze konnten nur bedeuten, dass es ihm gut ging – oder zumindest gut genug, dass er helfen konnte.

Der Drache heulte und brüllte mittlerweile so laut, dass Jemma sich liebend gern die Ohren zugehalten hätte, doch für solche Zimperlichkeiten hatte sie jetzt keine Zeit. Stattdessen stieß sie noch einmal ihr Schwert in den schweren Leib des Ungeheuers und plötzlich verwandelte sich das Gebrüll in ein heiseres Röcheln und endlich – Endlich! – verebbte das Feuer.

Keuchend zog sie ihr Schwert zurück und sah sich um. Jetzt, da das Drachenfeuer erloschen war, konnte sie die Fußschellen des Untiers sehen und vor Erleichterung wurde ihr fast schlecht.

Sie waren schwarz.

Das Biest war tot.

»Jem, verdammt! Komm da weg!« Sams Warnung ließ sie heftig zusammenfahren und erst jetzt merkte sie, dass der riesige Drachenkörper über ihr gefährlich ins Wanken geraten war. Schnell stolperte sie zwischen den stämmigen Beinen hindurch, um nicht unter ihm begraben zu werden. Die tote Bestie schwankte mehr und mehr, bis sie schließlich mit einem dumpfen Krachen auf den Felsgrund aufschlug und leblos in sich zusammensackte.

Sie hatten es tatsächlich geschafft!

Fast zumindest …

Hastig rannte sie zu Jamie und Zack und erschrak, als sie sah, dass Zacks Körper geisterhaft durchscheinend war und hektisch flackerte. Seine Armschelle war so dunkelrot, dass sie nur noch einen Hauch von Schwarz entfernt sein konnte, und sie flackerte hektisch. Jamie versuchte verzweifelt Zack mit seinen Zaubern am Leben zu erhalten, doch auch seine Armschelle hatte sich bereits zu einem dunklen Orange verfärbt. All die Heilzauber und das Aufrechterhalten seines Schutzschilds hatten auch ihn viel Lebensenergie gekostet.

»Hör auf«, wies Jemma ihren Bruder an, als sie sich neben die beiden hockte. »Ich krieg Zack schon wieder hin.«

Doch Jamie schüttelte nur stur den Kopf und murmelte weiter seine Zaubersprüche, um Zack in dieser Welt zu halten.

»Sanare!« Jemma ließ ihre Hände nun ebenfalls über Zacks flackernden Körper gleiten. Ihre Armschelle leuchtete in einem satten Gelb, sie hatte also locker noch genug Kraft, um zu heilen, doch noch nie zuvor hatte einer von ihnen so viel Lebensenergie verloren wie Zack, und sie war sich nicht sicher, ob sie wirklich stark genug waren, um ihn zurückzuholen.

Sie schloss die Augen und murmelte verbissen weiter ihren Zauber. Es musste einfach funktionieren! Sie hatten noch nie jemanden verloren!

Sam kam zu ihnen gerannt. Seine magischen Stärken lagen zwar in Angriffs- und Verteidigungszaubern und seine Heilkräfte waren nur rudimentär, doch im Moment konnte Zack alles gebrauchen, was er kriegen konnte.

Jemma wusste nicht, wie lange sie so dasaßen. Erst als sie ein schwaches Keuchen hörte, öffnete sie wieder ihre Augen. Neben ihr stöhnte Jamie erleichtert auf.

»Sam, du Volltrottel!« Noch hatte Zack nicht genug Lebensenergie zurückerlangt, um sich bewegen zu können, doch seine Augen waren wieder offen und reden ging offensichtlich auch schon wieder ganz gut. Seine Armschelle war immer noch rot, aber sie flackerte nicht mehr so gefährlich und färbte sich zusehends heller.

»Wie kann man nur so dämlich sein und einen Drachen mit Feuer bekämpfen?!« Zacks Energie kehrte nun schneller zurück, da er wieder kräftig genug wurde, um sich selbst zu regenerieren.