Leseprobe Mind Ripper Seite 6

 

Der lächelte zufrieden. »Ihr habt meinem Dorf einen großen Dienst erwiesen. Wir können nun aufatmen und endlich in Frieden leben.« Er sah die vier der Reihe nach an. »Für euch dagegen ist es an der Zeit, in eure eigene Welt zurückzukehren. Ich bin mir sicher, tapfere Helden wie ihr es seid, werden auch dort gebraucht.«

Zack lachte auf. »Klar! Wäre interessant, für wie heldenhaft man uns hält, wenn wir mit gezogenen Schwertern durch die Straßen von London ziehen, seltsame Zaubersprüche murmeln und sagen, wir hätten den Auftrag, die Kanalisation von tollwütigen Ratten zu reinigen.«

Grinsend zwickte Jamie ihm in die Seite und auch Jemma und Sam mussten bei der Vorstellung lachen. Old Marley ging dagegen nicht auf Zacks Kommentar ein. Offensichtlich war er nicht darauf programmiert, auf sarkastische Einwände zu reagieren.

»Wenn ihr wünscht, könnt ihr euch gern auf unserer Ehrentafel verewigen.«

Neben dem alten Mann erschien ein Aushang mit verschiedenen Namen. Eine Spalte blinkte und zeigte ihnen ihren Platz auf der Highscoreliste.

»Platz neun!« Zufrieden trug Sam ihren Gruppennamen ein. »Nicht schlecht. Wir haben es in die aktuellen Top Ten geschafft!«

»Und wer weiß, wo wir womöglich gelandet wären, wenn nicht jemand unseren pyromanischen Endgegner mit Feuer gefüttert hätte!«, stichelte Zack. »Himmel, wir hätten es vielleicht sogar unter die Top Drei geschafft! Nicht auszudenken!«

Leicht verzweifelt schüttelte Sam den Kopf. »Bin gespannt, wie lange ich mir das jetzt anhören darf.«

»Oh, ich kann sehr ausdauernd sein.«

Sam speicherte ihren Gruppennamen auf der Highscoreliste und Old Marley begann wieder zu sprechen.

»Vielen Dank. So werden eure mutigen Heldentaten auf ewig für die Nachwelt festgehalten sein.«

Zack verzog das Gesicht als hätte er Zahnschmerzen.

»VanguardArts Entertainment bedankt sich, dass ihr Shirewood gespielt habt. Lob und Kritik zum Spiel nehmen wir gern auf unserer Internetseite entgegen oder besucht uns in unserem virtuellen Büro in der CyberWorld.«

Die Highscoreliste verschwand und an ihrer Stelle erschien eine neue Tafel mit mehreren Netzadressen.

Zack verdrehte die Augen. »Wenn der mir jetzt noch was verkaufen will –«

»Solltet ihr Interesse an einem unserer Merchandiseprodukte haben, kann ich euch gleich hier eine beträchtliche Auswahl zur Ansicht bieten.«

Zack stöhnte auf, als auf dem Tresen verschiedene Gegenstände erschienen, die sie aus dem Spiel kannten: Messer, Schwerter, Zauberstäbe, ein kleiner Lederbeutel, in dem sie Wunschbeeren gesammelt hatten, die Silberkette mit dem Drachenamulett –

»Oh, seht mal! Es gibt unseren Teleportring!«, rief Jemma begeistert.

»Nur £5.99 und wenn du jetzt bestellst, wird er dir noch heute frei Haus geliefert«, sprang Old Marley sofort auf ihr Interesse an.

Zack blickte ungläubig von ihrem Questgeber zu Jemma. »Du willst dir nicht wirklich für sechs Pfund diesen Plastikmist kaufen, oder?«

»Der Ring ist nicht aus Plastik«, korrigierte Old Marley. »Der Stein besteht aus geschliffenem Glas und der Ring selbst ist eine Legierung aus –«

»Danke, wir haben keinen Bedarf an weiteren Informationen«, würgte Zack ihn schnell mit dem Satz ab, mit dem man in diesem Spiel alle unerwünschten Gesprächsverläufe beendete. Old Marley verstummte.

»Mir gefällt er!«, sagte Jemma trotzig. »Auch wenn es nur Kitsch ist.« Sie trat an die Auslage, wählte den Ring in einer Größe aus, die ihr hoffentlich passen würde, tippte ihr Accountpasswort ein und gab die Bestellung auf.

»Du hasst das Teleportieren! Warum kaufst du dir dann einen Teleportring?« Verständnislos sah Zack zu, wie sie die Bestellung abschickte.

Jemma wandte sich zu ihm um. »Mir gefällt der Ring und er kann schließlich nichts dafür, dass er als Symbol fürs Teleportieren herhalten muss. Aber im wirklichen Leben kann er das ja nicht. Da wird er mich immer nur an all die herrlichen Stunden erinnern, die ich mit euch in Shirewood verbringen durfte.« Sie schenkte ihm ein zuckersüßes Grinsen.

Zack musste lachen. Er legte ihr einen Arm um die Schulter und zog sie an sich. »Oh Mann, ich wusste gar nicht, wie viel wir dir bedeuten. Wenn das so ist, dann sollten Jamie, Sam und ich wohl zusammenschmeißen und ihn dir schenken, was?«

»Sorry, aber da muss ich passen. Wenn Meg erfährt, dass ich Jem einen Ring gekauft habe, kratzt sie mir die Augen aus.« Sam grinste entschuldigend. »Sie ist ohnehin schon ziemlich angepisst, weil ich die letzten Wochenenden mit euch hier verbracht hab und kaum Zeit für sie hatte. Ich muss da dringend was gutmachen und dafür brauch ich mein Taschengeld.« Er griff mit beiden Händen an seine Schläfen. »Wir sehen uns später im McAllister's. Bin schon gespannt auf Charlies großen Auftritt.« Er schloss die Augen, kniff sich in die Schläfen und verschwand.

»Wir sollten auch rausgehen.« Zack zog seinen Arm von Jemmas Schultern und sah zu Jamie. »Ich komm gleich zu euch rüber.«

»Okay«, seufzte Jamie. »Dann bis gleich.«

Zack lächelte ihm kurz zu, dann fasste auch er an seine Schläfen und löste sich auf.

Jemma merkte, wie Jamie sich ein letztes Mal umschaute und dabei ziemlich niedergeschlagen aussah.

»Na los.« Sie stupste ihrem Zwillingsbruder aufmunternd gegen den Arm. »Zurück in die Wirklichkeit.«

Schicksalsergeben nickte er und verschwand.

Mit einem Seufzen griff auch Jemma an ihre Schläfen, schloss die Augen und loggte sich in das Programm ein. Hinter ihren Augenlidern flammte eine helle Schrift auf und eine Stimme ertönte in ihrem Kopf.

Welcher Befehl soll ausgeführt werden?

Shirewood verlassen.

Cybernetz verlassen.

»Cybernetz verlassen.«