Leseprobe Mind Ripper Seite 8

 

Jamie warf einen entnervten Blick an die Zimmerdecke.

Mann, wie er das hasste!

Wütend ballte er die Hände zu Fäusten, doch das schmerzte zu sehr und er fürchtete einen weiteren Krampf. Also zwang er sich, seine Muskeln zu entspannen, atmete tief durch und schluckte Ungeduld und Ärger hinunter.

Nicht unterkriegen lassen …

Er hatte einfach nur einen schlechten Tag. Da musste er halt durch. Es nervte nur tierisch, dass diese Tage mittlerweile seit gut drei Wochen andauerten …

»Okay«, seufzte er schließlich. »Bring mich runter, Max. Und was zu essen wäre auch nicht schlecht.«

»Gern.« Geduldig hatte Max auf seine Anweisungen gewartet. Jetzt trat er ans Bett und hob Jamie so mühelos hoch als wäre er federleicht. »Wären ein paar Sandwiches genehm?«

»Hört sich prima an.«

Der Hausdiener wandte sich an Jemma. »Was ist mit dir?«

»Sandwiches sind klasse.«

»Sehr gern.«

Jemma stand vom Bett auf und ging zum Badezimmer hinüber. »Und mach bitte ein paar mehr. Charlie und Zack kommen gleich. Ich geh nur schnell duschen.«

»Kein Problem.«

»Und, Max?«

»Ja?«

»Danke.«

 

 

Die heiße Dusche war eine Wohltat. Auch wenn man im echten Leben natürlich nicht schmutzig werden konnte, während man in der CyberWorld als Avatar spielte, fühlte Jemma sich nach einem anstrengenden Kampf immer irgendwie besudelt und hatte das Gefühl, sich Dreck, Staub, Blut, Schleim, Matsch oder was immer ihr sonst noch an Widerlichkeiten während ihres Abenteuers begegnet war, abwaschen zu müssen.

Nach der Dusche kämmte sie sich rasch die feuchten Haare zurück und schlüpfte in eine bequeme Jeans und ihren weiten Lieblingspulli. Sie hatte sich bisher nur grob Gedanken darüber gemacht, was sie ins McAllister's anziehen wollte. Die endgültige Wahl des Outfits würde sie später mit Charlie treffen, sonst würde sie sich eh nur zigmal unnütz umziehen müssen. Mit knurrendem Magen sprang sie schließlich die Treppe ihres Londoner Stadthauses hinunter in den gemütlichen Wohnbereich.

»Hey, Dad! Ist irgendwas Spektakuläres in der Welt passiert, das ich unbedingt wissen sollte?«

Robert Bennett saß mit seinem Tablet in ihrer geräumigen Sofalandschaft, während auf dem großen Bildschirm ihm gegenüber LondonNewsNetwork, der größte Nachrichtensender der Metropole, lief. Er sah von seiner Arbeit auf und lächelte seiner Tochter entgegen.

»Unsere Regierung diskutiert zum gefühlt hundertsten Mal das Budget für die Sanierung der Parlamentsgebäude, der März ist nasser und kühler als er sein sollte und irgendein siebzehnjähriges Popsternchen ist angeblich schwanger.«

Jemma ließ sich neben ihm aufs Sofa fallen. »Also hab ich nichts verpasst. Obwohl – heißt das schwangere Popsternchen etwa Melody Swan?«

Ihr Dad runzelte kurz die Stirn und nickte dann zögernd. »Ich glaube, ja. Warum? Macht das die Nachricht irgendwie spektakulärer?«

Jemma grinste. »Na ja, vielleicht schon. Sie hat vor ungefähr einem halben Jahr in jede Kamera, die sie finden konnte, lang und breit erzählt, dass sie irgendeiner Gruppe beitreten will, deren Motto 'Kein Sex vor der Ehe' ist. Wenn sie also nicht heimlich geheiratet hat oder ihrem Motto untreu geworden ist, könnte ihre Schwangerschaft natürlich ein Fall von unbefleckter Empfängnis sein. Und da so was meines Wissens nach bisher höchstens einmal vor gut 2038 Jahren vorgekommen ist, musst du zugeben, dass so ein neuer Fall schon ziemlich spektakulär wäre.«

Robert lachte. »Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihrem Motto untreu geworden ist, ist deutlich höher als die einer unbefleckten Empfängnis. Obwohl ich zugeben muss, dass sich diese Gruppe fantastisch anhört. Sie sollte ihre Mitglieder offensichtlich nur ein bisschen besser kontrollieren.« Er grinste seine Tochter an. »Wäre das nicht vielleicht auch was für dich? Wenn du beitrittst und versprichst, keinen Sex vor der Ehe zu haben, würdest du deinen alten Herren damit unendlich glücklich machen.«

Empört schüttelte Jemma den Kopf und boxte ihm gegen die Schulter. »Dad! Ich hab ja im Moment nicht mal einen festen Freund! Solltest du dieses Gespräch nicht eher mit Jamie führen? Obwohl – da kämen deine Bemühungen wohl etwas zu spät.«

»Dafür muss ich mir bei ihm keine Sorgen um eine ungewollte Schwangerschaft machen. Bei dir schon.« Robert sah seine Tochter mit gespielter Verzweiflung an. »Warum kannst du nicht einfach so sein wie dein Bruder?«

Jemma grinste frech und zuckte mit den Schultern. »Bin ich doch! Ich steh genauso auf Jungs wie er!«