Leseprobe Mind Ripper Seite 9

 

Ihr Dad lachte und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. »Dann versprich mir nur, dass du besser aufpasst als dieses Popsternchen mit dem bescheuerten Namen.«

»Mach ich. Großes Ehrenwort.« Sie schaute auf sein Tablet und sah, dass er eine Klientenakte geöffnet hatte. »Habt ihr einen spannenden neuen Fall, dass du sogar am Wochenende arbeiten musst?«

Robert Bennett war Anwalt in einer der größeren Kanzleien der Londoner City. Er seufzte und rieb sich müde über die Augen.

»Spannend wäre das falsche Wort. Eher knifflig. Ein ziemlich hoher Wirtschaftsboss hat Ärger mit dem Finanzamt. Ihm wird Steuerbetrug in Millionenhöhe vorgeworfen, doch er schwört, dass man ihn hereinlegen und seinen guten Namen in den Schmutz ziehen will.«

»Und? Glaubst du ihm?«

»Ja, ich denke schon. Allerdings sprechen die Beweise bisher eher gegen ihn.«

Jemma gab ihm einen Kuss auf die Wange und stemmte sich dann von der Couch hoch. »Wenn er wirklich unschuldig ist, dann wirst du auch einen Beweis dafür finden. Da bin ich mir ganz sicher.«

Robert lächelte. »Danke.«

»Max macht uns Sandwiches. Willst du auch was?«

»Ein Tee wäre klasse. Schwarz und stark.«

»Kommt sofort!«

Sie lief durch den Wohnbereich und wollte gerade in die offene Küche abbiegen, als es an der Haustür klingelte.

»Ich geh schon, Max!«

»Danke, es ist Zack!«

Auch wenn Jemma wusste, dass ihr Hightechbutler keineswegs hellsehen konnte, sondern sich einfach nur kurz in die Bilder der Überwachungskamera am Hauseingang eingeklinkt hatte, war es oft unheimlich, was er alles wusste.

»Hi. Sorry, hab meine Schlüsselkarte vergessen.«

Jemma zog eine Augenbraue hoch und schnaubte. »Ja, klar. Du warst einfach nur zu faul, sie rauszukramen.«

»Yep.« Grinsend schob Zack sich an ihr vorbei durch die Eingangstür und musterte kurz ihr recht gemütliches Erscheinungsbild. »Charlie ist wohl noch nicht hier, was?«

»Nein, wieso?«

»Weil sie dich in diesem Aufzug nie und nimmer an die Tür gelassen hätte.«

»Blödmann!« Sie warf die Tür zu und schubste ihn unsanft in Richtung Küche, in der Max gerade einen Teller mit einem Sandwichberg auf die Küchentheke stellte.

»Max, kannst du Dad bitte einen starken schwarzen Tee machen?«

»Ja, natürlich. Hallo Zack. Schön, dich wieder hier zu haben.«

»Hi Max. Danke. Die Sandwiches sehen lecker aus.«

»Greif zu!« Der Butler stellte ihnen noch einen Kanister mit Orangensaft und ein paar Gläser hin, dann machte er sich ans Teekochen.

»Hey.« Jamie saß auf einem der Barhocker am Küchentresen und drehte sich erfreut zu Zack um, als der hinter ihn trat und seine Arme um ihn schlang.

»Danke, dass du vorhin so um mein Leben gekämpft hast.« Zack gab ihm einen Kuss.

»Gern geschehen.« Jemma schwang sich auf einen Hocker den beiden gegenüber. »Nur falls du nicht gemerkt haben solltest, dass ich auch ein winzig kleines bisschen daran beteiligt gewesen bin.«

Zack grinste und setzte sich neben Jamie. »Nein, keine Sorge. Ich hab's gemerkt und auch dir gilt mein unendlicher Dank.« Er beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Selbst Sam bin ich dankbar, aber erwartet nicht von mir, dass ich unseren großen Magier auch küsse. So weit geht meine Dankbarkeit dann doch nicht. Schließlich war es ja zum größten Teil seine Schuld, dass es überhaupt erst so brenzlig wurde.«

Jamie lachte. »Wie lange willst du ihm seinen Fehler noch unter die Nase reiben?«

Zack grinste fies. »Nur so lange, wie es mir Spaß macht.« Er nahm sich ein Sandwich und biss vergnügt hinein.

»Wie war es eigentlich so, fast tot zu sein?« Jemma nahm sich ein Käsesandwich.

Zack zuckte die Schultern. »Ein bisschen klischeehaft, ehrlich gesagt. Je mehr Schaden das Feuer mir gemacht hat, desto mehr wurde ich in meinen Bewegungen eingeschränkt, bis ich mich schließlich gar nicht mehr rühren konnte.«

»Das kennen wir ja alle, wenn unsere Lebensenergie abnimmt«, meinte Jamie. »Aber wie ging's dann weiter?«